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Die Wirklichkeit weicht jedoch von der Legende einigermaßen ab. Witigo kam nach Südböhmen nicht im 6., sondern im 12. Jahrhundert, und zwar nicht aus dem italienischen Geschlecht Ursini, sondern aus dem Gefolge des böhmischen Fürsten aus dem Geschlecht der Pøemysliden. Im Jahre 1173 wird z. B. Witigo als Gesandter zu Kaiser Friedrich Barbarossa erwähnt. 1179 ließ sich Witigo wahrscheinlich in Südböhmen nieder. Von seinem Einfluß zeugt u. a. auch die Tatsache, daß seine Besitzungen nicht dem sog. Heimfallrecht unterlagen, was bedeutete, daß nach seinem Tode der Besitz nicht an den Pøemysliden-Fürsten zurückfiel. Witigo durfte über seinen Besitz frei verfügen und so teilte er ihn in Wirklichkeit nur zwischen seine vier Söhne auf - Jindøich z Hradce (Heinrich von Neuhaus), Witigo II. dem Älteren - Vorgänger des Geschlechtes der Herren von Krumlov, Witigo III. dem Jüngeren - Begründer des Rosenberger Geschlechtes und Witigo IV. Zu den Besitzungen der Witigonen gehörten in der Zeit wahrscheinlich auch die neu gegründeten Sitze Nové Hrady, Rožmberk (Rosenberg), Tøeboò und Krumlov, das bereits ihre vierte Burg sein sollte. Dieser bedeutende historische Augenblick ist auf dem Bild von der Teilung der Rosen festgehalten, das zur Zeit ein Bestandteil der Besichtigungstrasse des Schlosses Èeský Krumlov ist.
Im Jahre 1251 erwarb der König Pøemysl Ottokar II. mittels Heirat mit Anna Maria von Babenberg auch die Österreichischen Länder. Pøemysl Ottokar II. bemühte sich mit einer durchdachten Kolonisationspolitik um die Besiedlung der dünn bevölkerten Böhmerwaldgebiete im tschechisch-österreichischen Grenzland, um somit seine bisherigen Besitzungen in Böhmen mit den neu erworbenen Gebieten in Österreich zu verbinden. Bei diesen Bemühungen griff er jedoch auch in die Gebiete ein, die bislang die Hoheitsdomäne des Geschlechtes der Witigonen waren. Es entstanden einzelne Streitpunkte des Königs mit dem damals mächtigsten Adelsgeschlecht im Lande. Streitigkeiten entstanden z. B. bezüglich der Gründung der königlichen Stadt Èeské Budìjovice (Budweis) oder um das Zisterzienserkloster Zlatá Koruna (Goldenkron, gegründet 1263 von Pøemysl Ottokar II.), das den Einfluß des Rosenbergischen Klosters in Vyšší Brod (Hohenfurt, gegründet 1259 von Wok von Rosenberg) einschränken sollte. Zwischen Pøemysl Ottokar II. und den Mitgliedern der einzelnen Zweige des Geschlechtes der Witigonen kam es zu zahlreichen Unstimmigkeiten und auch zu bewaffneten Zusammenstößen, die in ihren Folgen zur Schwächung der Machtposition von Pøemysl Ottokar II. führten.
Im Jahre 1253 wurde das erste Mal in einer Urkunde des steirischen Herzoges Ottokar die Erwähnung des Namens der Stadt gefunden. Die Stadt entstand in zwei Bauetappen. Ihr erster Teil entstand spontan unterhalb der Krumauer Burg. Er hieß Latrán und wurde vor allem von Menschen besiedelt, deren Existenz mit der Wirtschaft der Burg verbunden war. Sowohl auf den Namen als auch auf die Entstehung dieses Stadtteiles bezieht sich ebenfalls eine Legende. Dieser Legende nach entstanden die Burg und die Stadt an der Stelle, wo die Witigonen eine Räuberbande besiegt haben, die sie wiederholt überfallen hatte. Als Andenken an die Tatsache, daß sich an dieser Stelle die Räuber (Lotterbande) versteckten, soll dieser Stadtteil den Namen Latrán (Sagen und Legenden der Stadt Èeský Krumlov) bekommen haben. Die Wirklichkeit ist jedoch viel nüchterner - latus bedeutet lateinisch den seitlichen Teil und es wurden so die an die Burg angrenzenden Siedlungen bezeichnet.
Der zweite Teil der Stadt war ein typisches Beispiel für eine auf einer "grünen Wiese" gegründete Siedlung, d. h. an der Stelle, wo sich bislang keine Siedlung befand. Dadurch wurde die Disposition der Stadt in Form des Kolonisationsgrundrisses mit quadratischem Platz im Zentrum ermöglicht, von dessen Ecken die zu den Stadtmauern führenden Straßen ausgehen. Dieser Stadtteil wurde das erste Mal im Jahre 1274 erwähnt, als an ihren 1. Dorfrichter Sipota erinnert wurde. Bereits seit den Anfängen war unter der Bevölkerung sowohl die deutsche als auch die tschechische Nationalität vertreten, sporadisch kamen auch z. B. Italiener vor.
Im Jahre 1302 starb der Krumauer Zweig der Witigonen aus und ihre Besitzungen hätten nach dem Heimfallrecht an den König übergehen sollen. Die Krumauer Herrschaft bildete schon ein verhältnismäßig verzweigtes Netz von Burgen und Untertanendörfern, die die Quelle von zahlreichen Einnahmen des Adels waren. Ein Mitglied eines weiteren einflußreichen Zweiges des Geschlechtes der Witigonen - Heinrich von Rosenberg - erwirkte jedoch von König Václav (Wenzel) II. die Aufhebung des Heimfallrechtes und die Überführung der Krumauer Herrschaft in den Besitz der Rosenberger Sie haben Èeský Krumlov zum Hauptsitz ihres Geschlechtes gemacht.
Sowohl die Stadt als auch die Burg verzeichneten während der Regierung des Geschlechtes der Rosenberger ihre größte Blüte. Es entwickelten sich Handwerk und Handel, es wurden prunkvolle Bürgerhäuser gebaut, die Stadt erwarb verschiedenste Rechte, wie z. B. Meilen-, Brau-, Marktrecht usw. Es wurden Fleischbänke sowie Brauereien erbaut, zweimal jährlich fand ein Jahrmarkt statt. Im Jahre 1376 zählte die Stadt 96 Hä
Peter I. von Rosenberg war eine bedeutende Persönlichkeit, die der Stadt im 14. Jahrhundert ihre Gestalt verlieh. Er wurde im Zisterzienserkloster in Vyšší Brod erzogen und diese Erziehung formte auch die weitere Entwicklung seiner Persönlichkeit. Während seiner Regierung wurde ein bedeutender Aufschwung der Rosenberger Herrschaft verzeichnet. Peter wurde zum ersten Mann der damaligen Politik und gleichzeitig zum vermögendsten Adeligen des Landes. In Èeský Krumlov gründete er die Kirche St. Veit (Kirche St. Veit in der Stadt Èeský Krumlov), das Spital mit der Kirche St. Jošt (Kirche St. Jošt in der Stadt Èeský Krumlov) in Latrán, er berief in die Stadt Klarissinen und Franziskaner und auf der Burg ließ er die Kapelle St. Georg erbauen. 1334 erreichte er nach Ansuchen bei König Johann von Luxemburg (Jan Lucemburský) die Berufung von Juden in die Stadt. Den Juden wurde eine besondere Straße überlassen und sie sorgten vor allem für die Verwaltung der Finanzen der Rosenberger in der Funktion der Kämmerer. In jeder Hinsicht bemühte sich Peter, den Prunk des königlichen Hofes zu erreichen, er heiratete sogar die Witwe des ermordeten Königs Václav (Wenzel) III. Viola Tìšínská (Viola von Teschen). Auch Peters Söhne wirkten in königlichen Diensten, sein ältester Sohn Heinrich fiel im Jahre 1346 an der Seite von Johann von Luxemburg (Jan Lucemburský) in einer Schlacht des Hundertjährigen Krieges bei Crécy.
Im fünfzehnten Jahrhundert gewann Èeský Krumlov vor allem durch die Persönlichkeit von Ulrich II. von Rosenberg an Bedeutung. Während seiner Regierung kam es zum maximalen territorialen Aufschwung, besonders im Zusammenhang mit seiner geschickten Politik während der Zeit der Hussitenkriege. Ulrich unterstützte vorerst die hussitische Bewegung, besonders was die Säkularisierung der kirchlichen Besitze betraf. Dabei ist er ziemlich reich geworden, u. a. auch durch die Grundstücksgewinne zu Ungunsten des Zisterzienserklosters Zlatá Koruna (Goldenkron) oder Milevsko. Nach den Hussitienkriegen konvertierte er wieder auf die Seite der katholischen Kirche und sein Hof in Èeský Krumlov wurde zur Zufluchtsstätte der katholischen Intelligenz sowie der aus Prag vertriebenen Künstler. Sein Hof wurde zum politischen Zentrum sowie zur Stütze der päpstlichen Rekatholisierung und gleichzeitig versammelte er solche Persönlichkeiten, die eine schrittweise Rezeption von humanistischen und Renaissance-Gedanken im tschechischen Milieu ermöglichten.
In den zwanziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts wurde ebenfalls die Art und Weise der Stadtverwaltung geändert - an ihre Spitze wurde ein Bürgermeister gestellt, der einem zwölfköpfigen "Stadtrat" - den Ratsherren vorstand. Die Ratsherren lösten immer nach einem Monat den Bürgermeister ab. Neben dem Bürgermeister und den Ratsherren war auch der Stadtrichter eine bedeutende Persönlichkeit, der die polizeiliche Macht und die Gerichtsbarkeit ausübte. Gemeinsam mit dem Stadtrat, also dem Großen Rat, wirkte auch noch der sog. Kleine Rat, dessen Mitglieder städtische Ältere genannt wurden. Latrán hatte einen selbständigen Richter sowie seine eigene Vertretung im Stadtrat. An der Stadtverwaltung beteiligten sich nur vermögendere Bürger, wie z. B. Fleischhauer, Mälzer und Tuchmacher. Ärmere Bürger hatten meistens keinen Zutritt zu Funktionen im Stadtrat. Die Ratsherren im Stadtrat mußten von der Rosenberger Obrigkeit gebilligt werden.
Im letzten Drittel des fünfzehnten Jahrhunderts erhielt die Stadt die Bewilligung zum Veranstalten regelmäßiger wöchentlicher Märkte sowie der Jahrmärkte. Die Märkte fanden an jedem Montag statt, die Jahrmärkte begannen dann immer am Sonntag vor dem heiligen Havel (Gallus) und sie dauerten 8 Tage. Mit der Zeit wurden der Stadt von den Herrschern vier Jahrmärkte bewilligt, weiter dann ein Roß- und ein Viehmarkt. Die Krumauer trieben Handel mit den Städten in Böhmen sowie in Oberösterreich. In diese Zeit fallen auch die Anfänge des Silberabbaus, der sowohl von der Obrigkeit als auch von der Stadtverwaltung unterstützt wurde und die Stadt wurde auch während einer bestimmten Zeit eine freie Bergstadt genannt (Geschichte des Bergbaus in der Stadt Èeský Krumlov).
Das sechzehnte Jahrhundert war die Zeit der Regierung der letzten Rosenberger, die sich immerhin in hohem Maße an der Gestaltung des heutigen Bildes der Stadt und ihrer Umgebung beteiligten. Der Renaissance-Kavalier Wilhelm von Rosenberg, die bedeutendste adelige Persönlichkeit der damaligen Politik und Kultur, war vor allem Initiator der Umbauten von Häusern und des Schlosses im Stil der Renaissance. Am 14. 8. 1555 verband Wilhelm die bislang selbständigen Stadtteile - Latrán und die Alte Stadt - zu einem Ganzen, um somit die zahlreichen und ständigen Streitigkeiten um die einzelnen Privilegien zu vermeiden. Latrán hatte bis zu dieser Zeit praktisch die Position einer selbständigen Verwaltungseinheit und es war zu zahlreichen Streitigkeiten zwischen seinen Bewohnern und jenen des zweiten Stadtteiles gekommen, besonders um das Recht, weißes Weizenbier zu brauen, das in der damaligen Zeit ein begehrtes und somit ertragreiches Produkt war. Weitere Probleme brachte besonders die Zahlung der Beiträge zur Erhaltung von Pfarre, Kirche, Brücken sowie eines Gemeindehirten und eines Boten mit sich.
Peter Wok von Rosenberg, das letzte Mitglied des Geschlechtes, war infolge seiner Verschuldung gezwungen, Krumlov im Jahre 1601 an Kaiser Rudolf II. von Habsburg abzutreten, der hier für einen kurzen Zeitraum seinen unehelichen Sohn Don Julius unterbrachte. Im Jänner 1611 hielt die Stadt einem Ansturm eines Passauer Heeres stand, während des Dreißigjährigen Krieges wurde es durch das Kaiserheer besetzt und im Jahre 1648 kam es zum Einfall der Schweden. Der Dreißigjährige Krieg brachte der Stadt auch eine neue Obrigkeit, Kaiser Ferdinand II. von Habsburg hat sie im Jahre 1622 dem steirischen Geschlecht der Eggenberger dafür übertragen, daß sie ihn während des Dreißigjährigen Krieges finanziell unterstützten. Die Eggenberger behielten Èeský Krumlov drei Generationen lang. Erst in seiner dritten Generation beeinflußte dieses Geschlecht in der Persönlichkeit von Johann Christian I. von Eggenberg wirksamer das Bild sowohl der Stadt als auch des Schlosses durch eine großzügige Bautätigkeit sowie durch ein reiches kulturelles und gesellschaftliches Leben.
Das Geschlecht der Eggenberger starb am Anfang des 18. Jahrhunderts aus und im Jahre 1719 kommen ihre Erben nach Krumlov - die Schwarzenberger. Während der Regierung von Joseph Adam zu Schwarzenberg überschritt Èeský Krumlov das dritte Mal die imaginäre Grenze der Provinzialität und erreichte mit der Größe seines Baugeschehens, seines Kultur- und Gesellschaftslebens das Niveau der bedeutendsten adeligen Sitze in Mitteleuropa. Das Vorbild für das Errichten eines adeligen Hofes sowie für den Standard des Lebensstils war die kaiserliche Residenz in Wien selbst. Im 19. Jahrhundert verlor Èeský Krumlov seinen Charakter als adelige Residenz. Das ist der Grund, warum die Stadt ihren renaissance-barocken Charakter behielt und die jüngeren Baueingriffe nur unbedeutende Spuren hinterließen.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts zählte die Stadt an die 5 000 Einwohner. Es wurde hier eine Infanterietruppe untergebracht, es bestanden hier zwei allgemeinbildende Schulen, eine Musikschule und eine Waisenschule (sog. Arbeitsschule, wo man für die Bildung der Kinder sorgte, deren Eltern gestorben waren oder sich nicht um sie kümmerten). In der Stadt waren zwei Bierbrauereien (fürstliche und städtische), zwei Papierwerke, drei Mühlen, eine Leinenspinnerei sowie eine Tuchfabrik im Betrieb. Ebenfalls verzeichnete die architektonische Gestalt im 19. Jahrhundert viele Änderungen. Die Stadtmauern, sowie die städtischen Tore wurden bis auf eines (Budìjovická brána - Budweiser Tor) alle aufgelöst (Geschichte der Tore und der Stadtbefestigung der Stadt Èeský Krumlov). In der Nähe des Schloßgartens wurden am Ende des 19. Jahrhunderts Graphitbergwerke eröffnet, auch eine Bilderrahmenfabrik (Leisten und Rahmen produzierende Fabrik) sowie auch ein neues Papierwerk in Vìtøní nahmen ihren Betrieb auf. (Geschichte der Wirtschaft in der Stadt Èeský Krumlov)
Bereits im 19. Jahrhundert wurden zeitweise nationale Reibereien zwischen der tschechischen und der deutschen Bevölkerung verzeichnet. Nachdem im Jahre 1918 die Tschechoslowakische Republik ausgerufen worden war, reagierte die deutsche Bevölkerung mit der Erklärung des selbständigen Böhmerwaldgaues,
der ein Bestandteil des neuen österreichischen Staates sein sollte. Diese Bewegung wurde militärisch unterdrückt und Krumlov wurde am 28. 11. 1918 von der tschechischen Wehrmacht besetzt. Aufgrund eines Erlasses des Ministeriums für innere Angelegenheiten vom 30. 4. 1920 wurde die ursprüngliche Bezeichnung der Stadt Krumlov durch die Bezeichnung Èeský Krumlov ersetzt, die bereits im Jahre 1439 erwähnt worden war. Während des Zweiten Weltkrieges verliefen in Krumlov keine bedeutenden Kämpfe, es kam auch zu keiner Bombardierung. Krumlov wurde im Jahre 1945 durch das amerikanische Heer befreit und nach der Befreiung kam es zum Abschub der Bevölkerung deutscher Nationalität.
Seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wird für die Erhaltung von wertvollen Denkmälern der Stadt Èeský Krumlov gesorgt, die sich heute auf der UNESCO-Liste "Kultur- und Naturerbe" befinden