CESKE BUDEJOVICE

 

 

Fast siebeneinhalb Jahrhunderte trennen uns von den Anfängen der Stadt Èeské Budìjovice. 
Pøemysl Otakar II. kaufte von Èéè von Budivojice, ein Dorf, nördlich der späteren Stadt gelegen, 
Grund und Boden am Zusammenfluss von Moldau und Maltsch und gründete im Jahre 1265 die 
Stadt. Sie sollte die königliche Macht gegen das südböhmische Adelsgeschlecht der Wittigonen 
(tschechisch Vítkovci) unterstützen. Und so wurden damals die Baulinien gezogen, womit der 
Zvíkover (deutsch Klingenberger) Burggraf, ein Ritter, der auf Deutsch Hirzo und auf Tschechisch 
Hyrš oder Hyø genannt wurde, beauftragt wurde. Der Bau begann an einem morastigen, von 
zahlreichen Flussarmen beider Flüsse durchzogenen Ort.

 Zuerst wandte der Lokator Hirza seine Aufmerksamkeit dem Dominikanerkloster mit der Kirche 
Mariä Opferung sowie der Pfarrkirche und dem Friedhof zu, an deren Stelle heute die 
Sankt-Nikolaus-Kathedrale steht. Die Einteilung der Blöcke, Plätze und Straßen, wie sie Hirza 
vornahm, blieb bis heute ohne große Veränderungen erhalten. Ausgangspunkt ist ein weitläufiger 
quadratischer Platz, an welchen ein regelmäßiges Netz von gegeneinander senkrecht verlaufenden 
Straßen anschließt, die die Bebauung in schachbrettartige Blöcke teilen. Innerhalb der Blöcke 
wurden Parzellen für schmale, langgezogene Reihenhäuser abgegrenzt. Sofort nach der Gründung 
der Stadt begann der Ring der Stadtmauern mit Türmen und Toren zu wachsen. Aus der Zeit des 
Hochmittelalters stammt der erhalten gebliebene Rabensteinturm (Rabnštejnská vìž). Der 
schwarze Turm (Èerná vìž), die Dominante des historischen Stadtkerns,die insbesondere dem 
Ausblick auf den nahen Hauptplatz der Stadt beliebt ist, wurde im 16. Jahrhundert erbaut. Aus 
dieser Zeit stammt auch das ursprüngliche Renaissancerathaus, das im 18. Jahrhundert im Stil des 
Barocks umgebaut wurde. Das prunkvolle, den Hauptplatz der Stadt dominierende 
Rathausgebäude ist vermutlich der schönste Barockbau seiner Art in Tschechien. Der Pranger auf 
dem Stadtplatz vor dem Rathaus wurde im 18. Jahrhundert durch einen Springbrunnen ersetzt, der 
seinen Namen nach dem alttestamentarischen Hünen Samson erhielt. Das Wasserbecken des 
Springbrunnens gehört mit seinen 17 Metern Durchmesser zu den größten in Tschechien. Für den 
Transport der Muschel im Jahre 1721 musste sogar das Schweinitzer Tor (Svinenská brána) 
erweitert werden. Ein kleinerer Barockbau stellt die Todesangst-Christi-Kapelle dar, die sich in 
der Nachbarschaft des kathedralen Sankt-Nikolaus-Doms befindet. Ursprünglich schloss sie den 
in die Friedhofsmauer eingebauten Kreuzweg ab. Heute sind jedoch weder Friedhofsmauer noch 
Gräber zu sehen. Nach der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Budìjovice zum Sitz von 
Bezirk und Bistum.

 

 

 

Zur Entwicklung der Industrie trug auch der Bau der Pferdeeisenbahn von Èeské Budìjovice nach Linz in Österreich bei. Die von Pferden gezogenen Wagen fuhren ab August 1832 auf ihrer gesamten Strecke. Die Pferdebahn begann in Budìjovice auf dem Bahnhof, von welchem nur das Stationshäuschen erhalten geblieben ist, das heute für Expositionen des Museums genutzt wird. Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt der Empirebau des Theaters, in dem im Jahre 1856 Josef Kajetán Tyl in seiner letzten Vorstellung spielte. Im vorletzten Jahrhundert wurden in Budìjovice die zwei bekanntesten Landsmänner geboren – der Unternehmer Vojtìch Lanna und der Maler und Schriftsteller Vlastimil Rada. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert wurde das Museum im Neorenaissancestil erbaut, welches seine Besucher mit naturwissenschaftlichen, historischen und völkerkundlichen sowie regelmäßigen Ausstellungen erwartet. Das 20. Jahrhundert brachte der Stadt unter anderem ein Stadion mit Turnhalle, ein Wasserkraftwerk und ein Schwimmbad.

Die Legende der Stadt Èeské Budìjovice

In der südböhmischen Metropole gibt es interessante Orte, über die bereits seit Jahrhunderten zahlreiche Sagen und Legenden erzählt werden. Am Pøemysl-Otakar-II.-Platz trifft man in der Nähe des Samson-Springbrunnens auf einen Stein, der sich auffallend von den übrigen Pflastersteinen unterscheidet. Er ist rundlich, mit einem eingemeißelten Kreuz. Er wird Irrstein genannt, denn einer Sage nach wird derjenige, der diesen Stein nach der neunten Abendstunde überschreitet, bis zum Morgen durch die Straßen der Stadt irren, ohne den Weg nach Hause zu finden. Er symbolisiert auch die „Irrung“ des hiesigen Seilmachergesellen Philip, der sich zu Zeiten den Regierung von Jiøí von Podìbrady den Verschwörern um den Degenschmied Nìmec anschloss, der einen gegen den König gerichteten Aufstand vorbereitete. Vom Aufstand erfuhr jedoch der Stadtschreier, der Vater von Philips holdem Mädchen Markéta. Nachdem sie verraten worden waren, wurden 9 Verschwörer einschließlich Philip gefangen genommen und hingerichtet. Gerade an dem Ort, an welchem wir uns den außergewöhnlichen Irrstein ansehen können.

Von Legenden umwoben ist die Klosterkirche Mariä Opferung auf dem Piaristenplatz. An ihrem Altar wurde die Fotokopie eines Madonnenbildnisses platziert, das im Jahre 1410 aus Italien hierher gebracht und acht Jahre später in der Budìjovicer Kirche installiert worden war. Die Madonna soll die Einwohner von Budìjovice, neben anderen von ihr vollbrachten Wundern, vor den Schweden und der Pest geschützt haben. Eine andere Legende steht mit den steinernen Wasserspeiern an der Nordfassade in Verbindung – einem Frosch und einem Drachen. Einer Legendenversion nach kriechen diese aus der Wand, einer anderen Version nach verkriechen sie sich im Gegenteil in die Wand. In beiden Fällen jedoch bedeutet der Abschluss ihrer Bewegung das Ende der Welt.

Die drei grob gemeißelten Masken an der Ostfront des Zeughauses, Solnice (Salzkammer) genannt, ein sich gegenüber dem Nebeneingang in den Dom befindendes Gebäude, stellen angeblich Räuber dar. Diese drangen einer Sage nach in den Dom ein, überfielen die Nonne Aloisia und zwangen sie, den Ort zu verraten, an dem das Klostergold aufbewahrt wurde. Die mutige Luise überlistete die Räuber jedoch – sie lockte sie mit Pokalen und Kreuzen aus Katzengold in die Sakristei, die sie dann von außen abschloss, und schlug Alarm.

Zu den wenigen erhalten gebliebenen Bauten der einst weitläufigen Èeskobudìjovicer Stadtbefestigung gehört der Turm Železná panna (Eiserne Jungfrau). Er wurde in einer Biegung der Stadtmauer gegenüber dem Ort erbaut, an dem die Maltsch in einen Moldauflussarm mündet. Železná panna (Eiserne Jungfrau) ist jedoch nicht nur der Name des Turms, sondern auch eines mittelalterlichen Hinrichtungswerkzeugs. Mit gerade diesem wurde einer Sage nach Prokop von Dubné hingerichtet, der eine Abteilung führte, die dem von den Hussiten bedrohten Kloster Zlatá Koruna (Goldene Krone) zu Hilfe eilte, in Wirklichkeit jedoch wollte er Žižka helfen. Prokop wurde von den Soldaten überwältigt und nach „Budìjic“ gebracht, wo er nach einem eiligen Gerichtsverfahren in eine Nische des Turms gesetzt wurde. Der Henker bewegte einen Hebel, aus der Wand schoben sich Eisenbänder mit scharfen Messern hervor, von denen der Unglückliche umschlungen wurde... Einen zusammenhängenden Abschnitt der mittelalterlichen Stadtmauer mit der Eisernen Jungfrau und der Otakar-Bastion, auch Otakarka genannt, ist im Westteil des historischen Stadtkerns zwischen der Straße Biskupská und dem ehemaligen Dominikanerkloster zu sehen.

Kultur der Stadt Èeské Budìjovice

Gegenwärtig ist das kulturelle Leben von Budìjovice sehr reichhaltig. Die Stadt sowie verschiedenste Institutionen organisieren regelmäßige Veranstaltungen, zu welchen z. B. der Karneval (Masopust), der Frühjahrsmarkt, der Hexenflug, der Rathaussommer oder der Block von Advents- und Weihnachtsprogrammen gehören. Das Ausstellungsareal ist Schauplatz alljährlicher Ausstellungen und Messen, zu denen Hobby, das Bierfest, der Antonin-Jahrmarkt, die Ausstellung „Zemì živitelka“ (deutsch „Ernährerin Erde“), Bildung und Handwerk, Modenschauen, Adventsspiele u. a. zählen.