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Zur Entwicklung der Industrie trug auch der Bau der Pferdeeisenbahn von Èeské Budìjovice nach Linz in Österreich bei. Die von Pferden gezogenen Wagen fuhren ab August 1832 auf ihrer gesamten Strecke. Die Pferdebahn begann in Budìjovice auf dem Bahnhof, von welchem nur das Stationshäuschen erhalten geblieben ist, das heute für Expositionen des Museums genutzt wird. Ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert stammt der Empirebau des Theaters, in dem im Jahre 1856 Josef Kajetán Tyl in seiner letzten Vorstellung spielte. Im vorletzten Jahrhundert wurden in Budìjovice die zwei bekanntesten Landsmänner geboren – der Unternehmer Vojtìch Lanna und der Maler und Schriftsteller Vlastimil Rada. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert wurde das Museum im Neorenaissancestil erbaut, welches seine Besucher mit naturwissenschaftlichen, historischen und völkerkundlichen sowie regelmäßigen Ausstellungen erwartet. Das 20. Jahrhundert brachte der Stadt unter anderem ein Stadion mit Turnhalle, ein Wasserkraftwerk und ein Schwimmbad.
In der südböhmischen Metropole gibt es interessante Orte, über die bereits seit Jahrhunderten zahlreiche Sagen und Legenden erzählt werden. Am Pøemysl-Otakar-II.-Platz trifft man in der Nähe des Samson-Springbrunnens auf einen Stein, der sich auffallend von den übrigen Pflastersteinen unterscheidet. Er ist rundlich, mit einem eingemeißelten Kreuz. Er wird Irrstein genannt, denn einer Sage nach wird derjenige, der diesen Stein nach der neunten Abendstunde überschreitet, bis zum Morgen durch die Straßen der Stadt irren, ohne den Weg nach Hause zu finden. Er symbolisiert auch die „Irrung“ des hiesigen Seilmachergesellen Philip, der sich zu Zeiten den Regierung von Jiøí von Podìbrady den Verschwörern um den Degenschmied Nìmec anschloss, der einen gegen den König gerichteten Aufstand vorbereitete. Vom Aufstand erfuhr jedoch der Stadtschreier, der Vater von Philips holdem Mädchen Markéta. Nachdem sie verraten worden waren, wurden 9 Verschwörer einschließlich Philip gefangen genommen und hingerichtet. Gerade an dem Ort, an welchem wir uns den außergewöhnlichen Irrstein ansehen können.
Von Legenden umwoben ist die Klosterkirche Mariä Opferung auf dem Piaristenplatz. An ihrem Altar wurde die Fotokopie eines Madonnenbildnisses platziert, das im Jahre 1410 aus Italien hierher gebracht und acht Jahre später in der Budìjovicer Kirche installiert worden war. Die Madonna soll die Einwohner von Budìjovice, neben anderen von ihr vollbrachten Wundern, vor den Schweden und der Pest geschützt haben. Eine andere Legende steht mit den steinernen Wasserspeiern an der Nordfassade in Verbindung – einem Frosch und einem Drachen. Einer Legendenversion nach kriechen diese aus der Wand, einer anderen Version nach verkriechen sie sich im Gegenteil in die Wand. In beiden Fällen jedoch bedeutet der Abschluss ihrer Bewegung das Ende der Welt.
Die drei grob gemeißelten Masken an der Ostfront des Zeughauses, Solnice (Salzkammer) genannt, ein sich gegenüber dem Nebeneingang in den Dom befindendes Gebäude, stellen angeblich Räuber dar. Diese drangen einer Sage nach in den Dom ein, überfielen die Nonne Aloisia und zwangen sie, den Ort zu verraten, an dem das Klostergold aufbewahrt wurde. Die mutige Luise überlistete die Räuber jedoch – sie lockte sie mit Pokalen und Kreuzen aus Katzengold in die Sakristei, die sie dann von außen abschloss, und schlug Alarm.
Zu den wenigen erhalten gebliebenen Bauten der einst weitläufigen Èeskobudìjovicer Stadtbefestigung gehört der Turm Železná panna (Eiserne Jungfrau). Er wurde in einer Biegung der Stadtmauer gegenüber dem Ort erbaut, an dem die Maltsch in einen Moldauflussarm mündet. Železná panna (Eiserne Jungfrau) ist jedoch nicht nur der Name des Turms, sondern auch eines mittelalterlichen Hinrichtungswerkzeugs. Mit gerade diesem wurde einer Sage nach Prokop von Dubné hingerichtet, der eine Abteilung führte, die dem von den Hussiten bedrohten Kloster Zlatá Koruna (Goldene Krone) zu Hilfe eilte, in Wirklichkeit jedoch wollte er Žižka helfen. Prokop wurde von den Soldaten überwältigt und nach „Budìjic“ gebracht, wo er nach einem eiligen Gerichtsverfahren in eine Nische des Turms gesetzt wurde. Der Henker bewegte einen Hebel, aus der Wand schoben sich Eisenbänder mit scharfen Messern hervor, von denen der Unglückliche umschlungen wurde... Einen zusammenhängenden Abschnitt der mittelalterlichen Stadtmauer mit der Eisernen Jungfrau und der Otakar-Bastion, auch Otakarka genannt, ist im Westteil des historischen Stadtkerns zwischen der Straße Biskupská und dem ehemaligen Dominikanerkloster zu sehen.
Gegenwärtig ist das kulturelle Leben von Budìjovice sehr reichhaltig. Die Stadt sowie verschiedenste Institutionen organisieren regelmäßige Veranstaltungen, zu welchen z. B. der Karneval (Masopust), der Frühjahrsmarkt, der Hexenflug, der Rathaussommer oder der Block von Advents- und Weihnachtsprogrammen gehören. Das Ausstellungsareal ist Schauplatz alljährlicher Ausstellungen und Messen, zu denen Hobby, das Bierfest, der Antonin-Jahrmarkt, die Ausstellung „Zemì živitelka“ (deutsch „Ernährerin Erde“), Bildung und Handwerk, Modenschauen, Adventsspiele u. a. zählen.